Suche

Ein Fall für die Selbsthilfegruppe?

Quelle: Pfarrblatt Online, Bern


A. T.* lebt in einer Beziehung, hat ihren Mann aber erst spät kennengelernt. Das Paar ist ungewollt kinderlos. Keine einfache Situation, wünschte sich A. T. doch schon früh eigene Kinder. Seit zwei Jahren ist sie nun Kontaktperson der Selbsthilfegruppe Kinderwunsch in Bern. Wir haben bei ihr nachgefragt.


«pfarrblatt»: Als klar war, dass es in ihrer Beziehung wohl keine Kinder geben wird, was hat diese Erkenntnis bei ihnen ausgelöst?

A. T.: Eine existenzielle Lebenskrise! Es ist brutal hart, von dieser fundamentalen Erfahrung des Menschseins ausgeschlossen zu bleiben. Ich fühlte mich total allein, verzweifelt und traurig. Unsere Paarbeziehung litt arg, die Lust am Intimleben verging mir.



Das ist doch für eine Beziehung sehr belastend. Reagieren Männer und Frauen unterschiedlich?

Die Männer sind noch isolierter, wissen nicht mehr, was sagen und tun, müssen hilflos zusehen, wie verwandelt ihre einst lebenslustige Frau ist. An Treffen der Selbsthilfegruppe mitkommen oder gross darüber reden wollen sie eher nicht. Sie können es besser verdrängen, im Sinne von «als Paar ohne Kind kann das Leben doch auch schön und sinnvoll sein!» Manche Paare versuchen seit Jahren ein Kind zu bekommen. Unglaublich, was Frauen alles über sich ergehen lassen, für die immer klar war, dass sie Mutter sein wollen. Dass es nicht klappen könnte, damit hat keine ernsthaft gerechnet. Jeder Monat ist eine emotionale Achterbahnfahrt: Hoffnung, Ungewissheit – wieder die Blutung! Trauer, Schmerz, Wut, Neid, Hass, Hadern mit Gott, Beten. Für manche gar der Verlust eines Babys. Abschied vom Kinderwunsch ist ein schwieriger Trauerprozess. Besonders zu schaffen macht mir, wenn eine Ehe oder langjährige Beziehung an der enormen Belastung durch einen jahrelang unerfüllten Kinderwunsch zerbricht. Manchmal auch, weil es überwiegend wegen einem Partner nicht klappt, oder weil der eine aus ethischreligiösen Gründen gegen Fortpflanzungsmedizintechniken ist und die andere nichts unversucht lassen will. Oft gibt es keine klaren Gründe: Es könnte, sollte, müsste eigentlich klappen ...



Gibt es zusätzlich belastende Faktoren in diesem schmerzhaften Trauerprozess?


Schlimm sind Weihnachten/Silvester, der Frühling und Hochschwangere. Und vor allem gedankenlose Fragen und gut gemeinte Bemerkungen und Ratschläge von Familie, Verwandten, Freundinnen und Arbeitskollegen tun so weh!



Wie kann ein Paar damit umgehen, was hat sich bewährt?

Bewusst für positive neue Paarerlebnisse sorgen, sich gemeinsam an glückliche Momente erinnern, die Rolle als Gotte und Götti geniessen, sich neu orientieren, hilft, ebenso der Glaube, Lebenserfahrung und die Frage: Was möchte das Leben von uns?



Was passiert bei Ihnen in der Selbsthilfegruppe?

Im geschützten Rahmen monatlicher Selbsthilfetreffen geben wir auch schwierigen Gefühlen Raum. Für manche Frau ist es der einzige Ort, wo sie über alles reden kann, getröstet und ermutigt wird. Dies löst sehr viel aus: Mehrere Frauen sind nach sechs Jahren doch noch schwanger geworden, einige auf natürlichem Weg!



Was würden Sie betroffenen Paaren raten?

Betroffenen Paaren sagen wir: Ihr seid nicht allein! Holt euch frühzeitig Hilfe und Unterstützung. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen ist eine Wohltat für Herz und Seele!


Interview: Maya Abt Riesen

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Die Seele und der Kinderwunsch

Es gibt viele Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch. Die Schulmedizin verfügt über viele Möglichkeiten diesen Wunsch zu unterstützen. Es gibt auch gute Angebote aus der Alternativmedizin und Nat

Praxis für innere Weisheit, Feldlistrase 17, 9000 St.Gallen

Kontakt: 071 511 30 61 / kontakt@kinderwunschcoaching.com

  • Facebook - Weiß, Kreis,
  • Weiß LinkedIn Icon
  • Xing - Weißer Kreis